Einleitung


Das irdische Leben jedes Menschen endet mit seinem Tod. Unabhängig von der Nationalität oder dem Glaubensbekenntnis des Verstorbenen wurden von jeher Bestattungsrituale durchgeführt.

Einleitung

Die Bestattungsformen bei den verschiedenen Völkern sind mannigfaltig, was sich in unterschiedlichen Bestattungs- und Trauerritualen widerspiegelt. Es gibt generell vier Bestattungsweisen:

      - Erdbestattung;
      - Feuerbestattung oder Verbrennung;
      - Bestattungsform, bei der der Leichnam an der freien Luft liegen gelassen wird;
      - Wasserbestattung.

            Zu den traditionellen Bestattungsformen in Europa gehören die Erdbestattung und die Kremation. Auf der Erde gibt es allerdings Orte, wo nicht alle Leute sich dies leisten können. In solchen Fällen wird die Leiche den Raubtieren zum Frass vorgeworfen. Bei den Tibetern und den Mongolen wird der Leichnam zerkleinert und an Vögel verfüttert.
Jede Bestattung braucht ihre Ritualhandlungen. Der Autor des Buches über die Bestattungsrituale Habenstein schrieb, dass es keine Volksstämme gibt, in denen die Leichen ohne Bestattungsbräuche beigesetzt werden. Er betrachtet solche Handlungen als Bestandteil der menschlichen Kultur.
Der Wissenschaftler James Frazer erforschte die Ureinwohner von Neusüdwales und entdeckte, dass sie entweder in Seitenlage oder auf dem Boden stehend beigesetzt werden. Manchmal werden die Leichen gebraten und gegessen. Nur anhand dieser Merkmale konnte Frazer die Herkunft jeder Familie in dem mannigfaltig besiedelten Gebiet feststellen.

Einleitung

Ungeachtet der grossen Anzahl der Bestattungsarten ist jedem Ritual die Annahme zu eigen, dass der Tod den Übergang in einen anderen Zustand bedeutet. Der französische Anthropologe Robert Hertz erforschte die malaiischen Bestattungsriten. Er stellte fest, dass der Tod als eine der Entwicklungsphasen betrachtet wird. Für die Malaien und andere Völker bedeutet der Tod einen Vorgang, der mit den ersten Lebenstagen beginnt. Er ist ein Zwischenzustand und ein Hinweis dafür, dass der Leichnam entsprechend behandelt werden soll. Die Malaien veranstalten eine sogenannt vorübergehende Bestattung.
In manchen tibetischen Gebieten werden die Leichen in der Fötusposition beigesetzt, was auf die Wiedergeburt hinweisen soll. Im Stamm der Kota in Südindien werden die Leichen völlig verbrannt ausser dem Schädel. Anschliessend erfolgt die endgültige Bestattung.
Es ist zu bemerken, dass nicht in allen Kulturen der Tod als Leid betrachtet wird. Vor der Gründung des Christentums veranstalteten die paraguayischen Indianer das Fest Velorio – den Ball anlässlich des Todes. Der Leichnam wurde auf einen mit Blumen verzierten Tisch gelegt und die Teilnehmer der Bestattungszeremonie tanzten die ganze Nacht hindurch. Auf der Insel Bali (Indonesien) ist ein karnevalähnliches Bestattungsritual üblich, indem man die hölzernen Statuen von Tieren trägt. Darinnen befinden sich die Verstorbenen. Zum Schluss der Zeremonie werden die Leichen zusammen mit den Statuen verbrannt.
Die Position, in der der Verstorbene ins Grab gelegt wird, liefert auch wichtige Informationen. Viele Menschen werden mit gekreuzten Händen beigesetzt. Rituelles Überkreuzen der Hände und Beine erfüllt eine Schutzfunktion. Die Körperposition versinnbildlicht die Trennung zwischen der Welt der Lebendigen und der Welt der Toten.

Einleitung

Anhand der Art und Weise der Bestattungsrituale kann man zur Schlussfolgerung kommen, dass die Verstorbenen als lebendig betrachtet werden. Man musste also bestimmte Massnahmen ergreifen, damit die Seelen der Verstorbenen nicht zurückkehren. Die Verbrennungszeremonie bei den Hinduisten hat es als Ziel, den Geist des Verstorbenen an einen angemessenen Platz zu leiten. In Tibet wendet sich ein Lama (buddhistischer Mönch) an den Verstorbenen und mahnt, dass er die Hinterbliebenen nicht stören soll. Die Ägypter versorgten die Verstorbenen mit Essen und allem Nötigen, damit die ihre Gräber nicht verlassen. Bei den Hopi-Indianern aus dem nordöstlichem Arizona bleibt einer der Verwandten am Grab und zeichnet mit dem Kohlenstift Querlinien auf die Strasse und versperrt

 

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |


Leben nach dem Tod ...oder was sehe ich, wenn ich sterbe