Vor dem Haus waschen sie sich die Hände mit Reiswodka (das ist eine der Formen des Reinigungsrituals). Dann folgt die Trauermahlzeit.


Bestattungs- und Trauerrituale im Christentum


Nach dem Tod wird der Verstorbene mit klarem Wasser gewaschen. Diese Handlung übernahmen früher die Angehörigen oder die Nachbarn, heute verrichten Bestattungsunternehmen diese Aufgabe. Der Verstorbene wird im Rahmen eines Gottesdienstes beigesetzt. Dieser kann je nach Strömung des Christentums unterschiedlich sein. Protestantische Bestattungstraditionen sind eher schlicht und orthodoxe Christen feiern sehr lange Zeremonien.
Der Gottesdienst findet in einer Kirche oder direkt am Begrabungsort statt. Angehörige, Freunde und andere Leute nehmen daran teil, um den Toten auf seinem letzten Weg zu begleiten. Der Gottesdienst beginnt mit einer Begrüßung der Trauergemeinde und einer Anrufung Gottes.
Die Christen glauben, dass die Seele des Verstorbenen nach dem Tod in das Himmelreich Gottes auffährt. Gebete, gemeinsam gesungene Lieder und die Predigt sind feste Bestandteile einer Bestattung.

Einleitung

Ein Höhepunkt des Gottesdienstes ist die Feier der Eucharistie, des Abendmahls. Sie findet gegen Ende der Totenmesse statt. Damit wird die Gemeinschaft der lebenden und der toten Christen gefeiert.
Danach erfolgt der Abschied vom Verstorbenen, das Gedenken an ihn sowie seine Bestattung. Beim Gang zum Grab wird das Kreuz als Zeichen der Hoffnung auf die Auferstehung vorangetragen, dann folgt der Sarg mit dem Verstorbenen. Dahinter gehen der Pfarrer und die Angehörigen des Verstorbenen. Vor der Bestattung spricht der Pfarrer ein Bibelwort. Dreimal wirft er Erde auf den Sarg, nennt den Namen des Verstorbenen und gibt ihn in die Hand Gottes mit den Worten: „Erde zu Erde, Asche zu Asche und Staub zu Staub.“ Der Erdwurf verweist dabei auf die Dreieinigkeit (die Einheit der drei Personen des göttlichen Wesens: Gott Vater, Jesus Christus und Heiliger Geist) und versinnbildlicht die Auferstehung. Zum Schluss der Bestattung betet die Gemeinde das Vaterunser.
In der Regel erhält das Grab ein Grabmal, auf dem der Name und die Lebensjahre des Verstorbenen stehen. Das zeigt die Beziehung des Verstorbenen zu Gott und verdeutlicht seine Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinschaft.

Einleitung

Traditionell findet nach der Bestattung ein Trauermahl statt. Dieser Brauch ist allerdings nicht rein christlich, denn schon in der Antike waren gemeinsame Mahlzeiten nach dem Tod einer Person üblich. Das Traueressen beginnt und endet mit einem Gebet. In vielen Regionen ist es heute noch üblich, dass die engsten Angehörigen nach dem Tod eines Menschen „Trauer tragen“, das heißt, sie kleiden sich schwarz.


Bestattungs- und Trauerrituale im Islam

Die Muslime glauben an die Unsterblichkeit der Seele und denken, dass die Seele nach dem Tod zu Gott strebt. Danach gibt es zwei Welten: das Diesseits und das Jenseits. Das irdische Leben ist vorübergehend und das jenseitige Leben ewig. Die Scharia entwickelte ein komplexes Regelsystem zum Übergang der Seele ins Jenseits sowie strenge Bestattungsrituale.
Muslime werden traditionell ohne Sarg beigesetzt, das Gegenteil ist aber nicht verboten. Die Bestattung im Islam beginnt mit der rituellen Waschung der Leiche. Diese Handlung muss durch eine Person gleichen Geschlechts erfolgen. Dann werden Körper und Gesicht des Verstorbenen mit einfachen weißen Leinentüchern bedeckt. Das Sterbegewand besteht aus drei Teilen: ein Tuch zum Einwickeln des Unterkörpers, das Hemd und ein grosses Tuch, das den ganzen Körper bedeckt.

Einleitung

Der eingewickelte Leichnam wird für die Trauerfeier in einen Sarg gelegt. Dieser steht auf einem speziellen Stein (Musalla Tasi) in der Moschee. Die Trauerfeier besteht aus dem Totengebet, das nach einem der fünf täglichen Gebete aufgesagt wird. Während der Iman, der muslimische Glaubenslehrer, mit den Trauernden das Gebet spricht, stehen die Trauernden am Kopfende des Sarges, um dem Verstorbenen ein letztes Mal ihren Respekt entgegenzubringen.

 

 

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |


Leben nach dem Tod ...oder was sehe ich, wenn ich sterbe