Anschliessend folgt das Fatiha-Gebet (die erste Sure des Korans), in dem für die Seele des Verstorbenen gebetet wird. Danach wird der Sarg aus der Moschee getragen. Hier wird der eingewickelte Leichnam aus dem Sarg genommen. Er wird nicht sofort in das Grab gesenkt. Die Bahre mit der Leiche wird dreimal auf die Erde niedergelegt und nur mit den Leinentüchern auf der rechten Seite liegend, mit dem Gesicht in Richtung Mekka gerichtet, in die Grabnische gebettet. Meist wird ein Messer mit in das Grab gelegt, vermutlich deshalb, damit sich der Tote gegen den Teufel verteidigen zu kann.

Einleitung

Nachdem der Leichnam mit ein paar Matten und Brettern bedeckt worden ist, werfen alle Anwesenden eine Schaufel Erde in das Grab. Anschließend betet jeder für sich ein weiteres Fatiha-Gebet und der Imam schließt die Trauerfeier mit einem Vergebungsgebet ab. Er bleibt allein am Grab stehen, um ein letztes Gebet für die Seele des Verstorbenen zu sprechen.
Nach der Beerdigung findet ein traditionelles Kondolenz-Essen statt. In der darauf folgenden Woche wird jeden Tag der Koran zu Hause gelesen, da Muslime glauben, dass die Seele des Verstorbenen zu Besuch kommt. Nach den sieben Tagen wird eine Süßspeise, Halva, vorbereitet und an alle Trauernden verteilt. Vierzig Tage nach der Beerdigung lädt die Familie des Verstorbenen die Trauergemeinde zu einem Lokma-Kuchen ein. Diese Andacht kann von der Familie jedes Jahr zum Todestag wiederholt werden, um des Verstorbenen zu gedenken.
Die Muslime werden ausschliesslich auf den muslimischen Friedhöfen beigesetzt. In dieser Hinsicht gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Islam und Christentum bzw. Judentum.

         

Bestattungs- und Trauerrituale im Judentum


Nach jüdischer Lehre gibt es ein neues, nicht-irdisches Leben nach dem Tod.
Während der Trauerzeit vor der Beerdigung sind die Angehörigen des Verstorbenen von den religiösen Pflichten – dazu gehört auch das Gebet – befreit. Früher kümmerten sich die Angehörigen in dieser Zeit um die Vorbereitung der Bestattung. Seit dem 19. Jahrhundert übernimmt dies eine Institution namens Chewra Kadischa (Heiliger Verein).
Zu den direkten Vorbereitungen der Beerdigung gehört die rituelle Waschung des Toten. Danach erfolgt das Ankleiden. Man zieht zuerst die Mütze an, dann die Hose, das Hemd, das Leichentuch, die Handschuhe und den Gürtel. Das Leichentuch und das Hemd müssen aufgerichtet werden. Alle Toten werden in einem hölzernen Sarg begraben.

Einleitung

Die Bestattungszeremonie beginnt mit einer Trauerfeier in einem Raum auf dem Friedhof.  Die Trauerrede hält der Rabbiner, ein Lehrmeister der jüdischen Religion. Es folgt ein festgelegtes Gebet, danach wird für das Seelenheil des Toten gebetet. Mindestens sieben Angehörige (der Vater, die Mutter, der Sohn, die Tochter, die Ehefrau bzw. der Ehemann, die Schwester und der Bruder des Verstorbenen) sollen danach ihre Kleidung am Kragen einreißen. Diese Kleidung trägt man während der Trauerwoche. Der Gang zum Friedhof wird mehrmals unterbrochen, um die Mühsal des Weges jedes Menschen anzudeuten. Der Leichnam wird in der Grabnische auf solche Weise beigesetzt, dass sein Kopf Richtung Westen liegt. Dann wirft jeder Anwesende drei Hände voll Erde ins Grab. Der Rabbiner spricht ein Wort aus dem ersten Buch Mose: „Von Staub bist du und zum Staub wirst du zurückkehren“ (Kapitel 3, Vers 19). Danach wird das Kaddischgebet von zehn jüdischen Männern gesprochen. Vor dem Verlassen des Friedhofs müssen die Hände gewaschen werden. Traditionell gibt man am Ausgang zum Friedhof ein Almosen.
Im Judentum gibt es drei Trauerperioden. Als erste Periode erfolgt das Schiwa-Sitzen für sieben Tage. Hierbei dürfen die Trauernden keine Arbeit verrichten. Sie lesen aus der Heiligen Schrift und bleiben zu Hause. Währenddessen sollen die Familienangehörigen des Verstorbenen auf dem Boden sitzen. In dieser Zeit schert man sich nicht das Haupt- und Barthaar, feiert keine Feste und vermeidet es, Musik zu hören.

Einleitung

Vom siebten bis zum dreissigsten Tag nach dem Tod erfolgt die Zeit der Scheloschim. In den jüdischen Vorstellungen erfolgt nun der Übergang der menschlichen Seele ins Jenseits. Jegliche Feierlichkeiten sind verboten. Die dritte Trauerperiode, Awelut, wird nur für die verstorbenen Eltern gehalten. Awelut endet zwölf Monate nach dem Todestag. Während dieser Zeit sollten alle Festlichkeiten vermieden werden.

 

 

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Leben nach dem Tod ...oder was sehe ich, wenn ich sterbe