Die Vorstellungen vom Jenseits in verschiedenen Kulturen, Religionen und bei den Völkern


Unter dem Begriff des Jenseits versteht man die überirdische Welt, die Welt der Toten. In der Mythologie bezeichnete man die überirdische Existenz als Heim der Seelen. Im religiösen Sinne ist, wenn man vom Jenseits spricht, die Rede vom Leben nach dem Tod des Menschen – im Gegensatz zum irdischen Leben. Der Jenseitsbereich ist und bleibt seit eh und je ein Rätsel für die ganze Menschheit.
Je nach Glaubensvorstellung wird der Bereich des Jenseits ganz unterschiedlich lokalisiert. Dies gilt auch für bestimmte, schwer zugängliche Orte (Berge, Höhlen, Wälder) oder andere Tabu-Bezirke und Heiligtümer. In altertümlichen Überlieferungen (bei Australiern, Buschmännern, Papuas) befand es sich in Gebüschen, Flussmündungen und dergleichen. Die Verstorbenen konnten das Leben des Jägers weiterführen, sich in Tiere und Vögel verwandeln, als Geister zu ihren Artgenossen zurückkehren.
In den entwickelten Vorstellungen über den Bau des Kosmos ist das Jenseits traditionell von der Erde der Lebenden getrennt und hat einen engen Bezug zur unterirdischen und seltener zur Himmelwelt. Es gibt sogar Meinungen, dass sich die Jenseitswelt an einem Ort befindet, der nur einem feineren Empfinden zugänglich ist, und zwar im menschlichen Herzen (das Wort „Herz“ bezeichnet im übertragenen Wortgebrauch das seelisch-geistige Innenleben des Menschen) oder im zwischenmenschlichen Bereich.
Die Vorstellungen vom Jenseits werden auch in den Begräbnistraditionen der Menschheit widerspiegelt. Die ältesten Grabfunde (Waffen, Speisen, Schmuck etc.) beweisen, dass das irdische Leben als Teil eines grösseren Ganzen gesehen wurde.

jenseits

In mehreren Religionen gibt es Jenseitsvorstellungen, die den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele als Basis haben. Aber dessen ungeachtet kann die Wissenschaft das  Leben nach dem Tod weder bestätigen noch widerlegen.
In einigen Vorstellungen führten die Seelen eine trübselige Existenz oder genossen dagegen das Land des Überflusses. Das Los der Verstorbenen hing von ihrem Status und der Todesart ab. In den Glaubensvorstellungen der Skandinavier gab es zum Beispiel Walhall, ein Paradies für die auf dem Schlachtfeld getöteten Helden, und Hel – die Unterwelt für alle anderen.
Die Teilung des Totenreiches in die himmlische Welt der Götter und die unterirdische Welt der bösen Geister lag den späteren Vorstellungen über das Paradies und die Hölle in der christlichen, muslimischen sowie hinduistischen Religion zugrunde. Diese Kenntnisse gingen von der Vorstellung einer jenseitigen Vergeltung der Taten und einem Totengericht aus. Ursprünglich wurde das Jenseitsschicksal des Verstorbenen durch seine rituelle Reinheit bestimmt. Später glaubte man, dass die Seelen der Menschen nach ihren guten oder schlechten Taten beurteilt werden.


Jenseitsvorstellungen in der antiken Geschichte und bei den Indianern in Zentral-Amerika


Informationen über die Jenseitsvorstellungen der Sumerer (eine der ersten hoch entwickelten Zivilisationen, die im 4. – 3. Jahrtausend v. Chr. auf dem Gebiet des heutigen Irak existierte) bekommt man aus ihren Mythen, die sich auf den Fruchtbarkeitskult beziehen. Es gibt keine deutlichen Angaben über die Lage der unterirdischen Welt. Man kann dorthin nicht nur heruntersteigen, sondern auch stürzen; als Grenze des unterirdischen Reiches gilt der unterirdische Fluss, über den der Fährmann die Seelen holt. Die Seelen kommen in die unterirdische Welt durch sieben Tore, wo sie von dem Pförtner Neti empfangen werden. Ein trübes Schicksal erwartet die Toten im unterirdischen Reich. Ihr Brot ist bitter und das Wasser salzig. Die unterirdische Welt ist dunkel und stauberfüllt. Es gibt keine sicheren Angaben, dass das Totengericht gemäss den Taten im irdischen Leben oder den Moralnormen abgehalten wird. Erträgliche Existenzbedingungen (klares Trinkwasser, Ruhe) verdienten die Seelen, deren Leichen gemäss dem Beerdigungsritual mit der Opferung begraben wurden, oder die Seelen der auf dem Schlachtfeld gestorbenen sowie der kinderreichen Menschen. Die Jenseitsrichter sitzen vor Ereschkigal, der Herrin der unterirdischen Welt, und fällen nur Todesurteile. Die Seelen der Unbegrabenen kommen zurück auf die Erde und bringen Unglück. Die Seelen der Begrabenen überfahren den Fluss, der als Grenze zwischen der Welt der Lebendigen und der Toten diente. Den Fluss überquerte das Boot, das der Fährmann der Unterwelt Urschanabi oder der Dämon Humuttabal steuerte.

jenseits

 

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6


Leben nach dem Tod ...oder was sehe ich, wenn ich sterbe