Judentum

Die jüdische Lehre über das Leben nach dem Tod veränderte sich mehrmals. Es haben sich drei Lehrmeinungen herausgebildet, die einander abgelöst haben.
Die erste Lehrmeinung nimmt ihren Anfang bei der Entstehung des Judentums und geht bis zur Erscheinung der hebräischen Bibel Tanach. Die Juden glaubten damals, dass alle Menschen, die Gerechten sowie die Ungerechten, in das Totenreich Scheol (die Übersetzung ist ungeklärt)  hinabsteigen mussten. Der Scheol ist ein Ort, wo es weder Seligkeit noch Plagen gibt. Im Scheol warten die Seelen der Verstorbenen auf die Ankunft des Messias und die Entscheidung über ihr weiteres Schicksal. Die Gerechten bekommen danach das glückliche Leben auf der erneuerten Erde als Belohnung.
Die zweite Lehrmeinung über das Jenseits entwickelte sich nach der Erscheinung des Tanach und existierte bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Laut dieser Auffassung wurde das Los der Verstorbenen sofort entschieden und man musste dafür nicht auf die Ankunft des Messias warten. Die Gerechten wurden nach dem Tod von Gott ins Himmelreich geleitet und die Ungerechten gelangten in die Hölle (ein Ort der Qual). Für die Bezeichnung der Hölle gebrauchte man die Wörter „Scheol“ und „Gehenna“ (Gehinnom bezeichnete ursprünglich das Tal in der Umgebung Jerusalem, wo man die Abfälle verbrannte. Das Wort Gehenna bedeutete ein Ort für die Seelen, die dort jeweils unmittelbar nach dem Tod des Menschen ihre Strafen empfangen). Dabei galt, dass die gläubigen Juden in die Hölle auf Zeit und die ungläubigen Juden sowie die Menschen anderer Nationalitäten für immer in die Hölle geraten.

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Die dritte Lehrmeinung herrscht in der zeitgenössischen Theologie vor. Im Vergleich zu den ersten zwei Varianten gibt es nur einen wesentlichen Unterschied in den Jenseitsvorstellungen. Viele Theologen sind der Meinung, dass sowohl die gläubigen Juden als auch die Menschen anderer Nationen und mit verschiedenen Weltanschauungen die Belohnung von Gott erlangen können. Im Gegensatz zu anderen Nationen haben die Juden mehr zu tun, um die himmlische Belohnung zu verdienen. Die Menschen anderer Nationalitäten brauchen nur ein moralisches Leben zu führen, um ins Paradies zu kommen. Die Juden müssen nicht nur moralisch sein, sondern auch alle religiösen Forderungen an sie einhalten.

Islam

Laut dem Islam folgt für die Muslime dem Tod die Grabesstrafe, um den Toten nach seinem Glauben und seinem Glaubensleben durch Engel zu befragen. Diese Etappe bezeichnet einen Übergang vom Tod zur Auferstehung. Erst mit dem Jüngsten Gericht erfolgt die Zuweisung in das Paradies al-ganna bzw. die Gehenna.
Die Gerechten sitzen zum Beispiel auf kostbaren Teppichen, erhalten leckere Gerichte und bekommen jeden Wunsch erfüllt. Sie essen von goldenen Tellern, trinken Wein, der nicht zu Kopfe steigt und müssen keine Lüge hören. Klare Bäche fliessen durch das Paradies, in dem sich üppige Gärten befinden.
Die Ungerechten dagegen erleiden schreckliche Qualen. Die Sünder werden von Skorpionen gestochen, deren Stich noch vierzig Jahre schmerzt. Als Nahrung erhalten sie bittere Kräuter und Disteln, die den Hunger nicht stillen. Als Getränk bekommen sie trübes Wasser.

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Das Paradies ist für jene Menschen bestimmt, die an Gott glaubten und ein moralisches Leben gemäss der Heiligen Schrift führten. Die Hölle ist der letzte Zufluchtsort für alle Ungläubigen, die sündenvoll und ohne Reue lebten.

Hinduismus

Der Hinduismus stellt keine einheitliche Religion, sondern die Synthese einer Reihe verwandter religiöser Ideen, Strömungen, Sekten und Lehren dar.
Er entfaltet ein komplexes Jenseitsbild. Laut der vedischen Religion gab es ein Paradies für alle Opfernden. Die Götter wurden durch Feueropfer angebetet. Später setzte man neben die Götterwelt der Unsterblichen eine dem Kreislauf der Reinkarnationen unterworfene Väterwelt der Unsterblichen. Zahlreiche Höllen lösten einander ab, die das wahre Jenseits zum fernen Ziel machten. Hindus sehen Moksha (Lösung, Befreiung) und die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) als Endziel an. Zwar gibt es auch Vorstellungen vom Himmel, den eine Person mit gutem Karma (Wirken, Tat) nach dem Tod des Körpers geniessen kann, dieser ist jedoch nur vorübergehend. Auch beschreiben die Mythen verschiedene Höllen für Übeltäter, jedoch geht man davon aus, dass keine noch so schwere Verfehlung ewige Wirkung haben kann. Das Individuum komme unweigerlich auf die Erde zurück und der Kreislauf von Geburt zu Geburt gehe weiter, bis zur endgültigen Erlösung.

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Die hinduistische Lehre sagt, dass das überirdische Leben zwei Etappen hat. Die erste heisst Samsara, die zweite – Erlösung von Samsara. Aus dem Sanskrit wird das Wort Samsara als „beständiges Wandern“ übersetzt. Für die Bezeichnung der ersten Etappe des überirdischen Lebens werden auch die Begriffe Reinkarnation oder Wiedergeburt gebraucht. Samsara bezeichnet Vorstellungen der Art, dass sicheine Seelenach dem Tod erneut in anderen empfindenden Wesen manifestiert.
Der Begriff Samsara ist auf ein Karma angewiesen. Karma bezeichnet ein Konzept, nach dem jede (physische oder geistige) Handlung eine Folge hat. Die guten Taten haben gutes Karma zur Folge und die schlechten führen zu einer schlechten Reinkarnation. In diesem Zusammenhang sagen die meisten Hindus: Karma bewirkt Samsara. Gute Wiedergeburt ist das Leben eines gesunden, reichen und glücklichen Menschen. Schlechte Wiedergeburt ist das Leben der Pflanze, des Tieres sowie eines kranken, armen und unglücklichen Menschen. Laut der hinduistischen Lehre wird der Übeltäter in einem der nächsten Leben zum Opfer des Attentats, das er vormals verübte. Zu den spezifischen Etappen von Samsara gehören das Sich-Befinden der Seelen im Paradies (für gerechte Menschen) oder in der Hölle (für die Ungerechten). Nach der vorübergehenden Glückseligkeit oder den Leiden erfolgt die Wiedergeburt der Seele auf der Erde.
Die Unterwelt ist hierarchisch gestuft. Die Anhänger des Hinduismus sind der Meinung, dass die Hölle in sieben Ebenen unterteilt ist. Mit jeder neuen Ebene werden die Leiden immer schrecklicher. Die Unglücklichen leiden, bis die Wirkung ihres schlechten Karma zu Ende ist. Der Totengott Jama trifft die Entscheidung darüber, in welche Ebene jede Seele geht und welchen Leiden sie ausgesetzt wird. Die letzte Etappe des überirdischen Lebens eines Ungerechten ist die letzte (zumeist siebte) Ebene der Hölle. Das Befinden in der letzten Ebene weist auf den Ausbruch aus Samsara. Hierher werden die Seelen der argen Sünder geleitet. Aus den vorigen Ebenen kehren die Seelen der Ungerechten früher oder später ins irdische Leben zurück. Es gibt aber keinen Ausgang aus der letzten Abteilung der Hölle. Die Seelen der Sünder befinden sich dort bis zum Ende des Brahma-Tages. In der darauf kommenden Brahma-Nacht werden sie vernichtet.
Moksha ist die zweite Etappe des überirdischen Lebens für sehr gerechte Hindus. Moksha bedeutet hier die Erkenntnis der Einheit des Individuums mit dem höchsten Göttlichen, Brahman. Moksha stellt die höchste, ewige Seligkeit des Lebens dar.

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Leben nach dem Tod ...oder was sehe ich, wenn ich sterbe