Jenseitsvorstellungen im Daoismus und Buddhismus

Im Daoismus entwickelte sich eine eigene Unsterblichkeitstheorie. Diese Lehre beruht auf Elementen archaischer Religionen, und zwar dem Langlebigkeitskult, dem Schamanismus, dem Kult der Himmelsbewohner.
Laut der daoistischen Lehre ist die menschliche Seele unsterblich. Die Wissenschaftler führen an, dass die Lehre der Unsterblichkeit unter Einfluss des Buddhismus entwickelt wurde. Zu den Stichpunkten dieser Theorie gehören folgende:
   1. Um die Unsterblichkeit zu erzielen, sollte man günstige Bedingungen zur Existenz der Geister und der himmlischen Kräfte im menschlichen Körper schaffen.
   2. Die Person, die unsterblich sein will, soll sich beim Essen beschränken: Zuerst kommt der Verzicht auf Fleisch und Wein, ferner auf rohes, würziges Essen. Es ist wünschenswert, auch spezielle Mischungen zu gebrauchen.
   3. Man sollte auch komplizierte physische Übungen und Atmungsgymnastik beherrschen.
   4. Man sollte mindestens 1200 tugendhafte Taten ausüben; ein leichtes Vergehen kann alle Bemühungen zunichte machen.

Um die Unsterblichkeit zu erreichen, sollte man also das ganze Leben dieser Vorbereitung  widmen. Der letzte Akt der Umgestaltung wurde als heilig und geheimnisvoll verehrt, so dass niemand dies festhalten konnte. Der Mensch starb, trotzdem verschwand er nicht, sondern verliess seinen physischen Körper, dematerialisierte sich, stieg in den Himmel hinauf und wurde unsterblich.

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Im Unterschied zum Daoismus akzeptiert die buddhistische Lehre die in der indischen Gesellschaft allgemeingültige Vorstellung von Reinkarnation und sieht dabei das Erreichen des himmlischen Friedens (des Paradieses) als kein Endziel. Der Grund dafür ist, dass jede Bedingungen unterworfene Daseinsform, so sehr sie auch genussvoll sein konnte, als vorübergehende Form betrachtet wird. Sie kann also nicht zur absoluten Seligkeit führen. Als Hauptziel jedes Menschen betrachten die Buddhisten die Befreiung aus der Kette von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Den Zustand der Befreiung, der ewigen Ruhe und Zufriedenheit nennt man Nirwana. Das ist ein Abschluss aller Leiden.
Im Allgemeinen kennen alle buddhistischen Traditionen eine dreischichtige Welt, die in sechs Daseinsbereiche untergliedert wird, in denen Wesen geboren werden. Die erste dieser drei Schichten wird vor allem durch Begierde gekennzeichnet und beinhaltet die Welten der Höllenwesen, der hungrigen Geister, der Tiere, der Menschen, der Asura-Wesen und einen Teil der Götterwelten. Eine Wiedergeburt in diesen Welten ist bedingt durch einen von Begierde, Zorn und Verblendung konditionierten Geisteszustand. In der zweiten Schicht sind Götterwesen, deren Dasein zwar kein Verlangen aufweist, die aber durch eine sichtbare Form gekennzeichnet sind. In der dritten Schicht, dem Formlosen, befinden sich Götterwesen, die besonders subtil und somit nicht sichtbar sind. Eine Geburt in den letzten zwei Schichten ist bedingt durch einen Geist, der durch stabile Konzentration und bestimmte Formen der Meditation zwar frei von grobem Verlangen ist, die endgültige Befreiung allerdings nicht erlangen konnte. Da diese Zustände bedingt und somit vergänglich sind, sind sie aus buddhistischer Sicht nicht erstrebenswert.

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Im tibetischen Buddhismus ist darüber hinaus auch häufig von einem sogenannten Zwischenzustand (Bardo) zwischen Ableben und Wiedergeburt die Rede. Während dieser Zeit, die in der Regel neunundvierzig Tage andauern soll, irrt der Geist der Verstorbenen meistens verängstigt umher, ehe er in einen neuen Mutterschoss eintreten kann. Währenddessen werden häufig Rituale für Verstorbene durchgeführt, um ihnen diesen Übergang zu erleichtern. Das tibetische Totenbuch (Bardo Thödröl; deutsch: Befreiung durch Hören im Zwischenzustand) enthält detaillierte Unterweisungen über den Prozess des Sterbens und der Wiedergeburt in den drei Zwischenzuständen sowie die Möglichkeit, den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen, um in das Nirwana einzutreten.
Fortgeschrittene Praktizierende bestimmter Meditationsformen sollen selbst den Augenblick des Todes oder der darauf folgenden Zustände für ihre Praxis nutzen können, um letztendliche Erleuchtung (Buddha-Schaft) zu erlangen. In diesen aus dem tantrischen Buddhismus stammenden Übungen gilt es, die zu Lebzeiten eingeübten Meditationen zur rechten Zeit anzuwenden, um die wahre Natur des eigenen Geistes zu erkennen. Diese Erkenntnis führt sodann unmittelbar zur Befreiung.

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Die meisten Religionen haben eigene und spezielle Vorstellungen über das Leben nach dem Tod. Die Vorstellungen vom Jenseits änderten sich bei den verschiedenen Völkern im Laufe der Geschichte in Abhängigkeit von den gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen sowie den Glaubensvorstellungen jedes Menschen. Dessen ungeachtet kann die gegenwärtige Wissenschaft das Vorhandensein des jenseitigen Lebens weder widerlegen noch beweisen.

 


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Leben nach dem Tod ...oder was sehe ich, wenn ich sterbe