Meinungen der Ärzte und Wissenschaftler

Die Fachleute geben ehrlich zu, dass das Phänomen der Nahtoderfahrung für sie immer noch rätselhaft ist. Sie haben sich keine einheitliche Meinung darüber gebildet, was mit einem Menschen an der Schwelle zum Tod tatsächlich passiert. Über die Erfahrung nach dem klinischen Tod, welcher bei Menschen während des Herzkollaps eintritt, wird viel spekuliert. Als 1976 Raymond Moody mit „Leben nach dem Tod“ an die Öffentlichkeit trat, ging es zunächst einmal darum, das neu entdeckte Phänomen genauer zu untersuchen und eine zugängliche Ebene zu schaffen, die es den Betroffenen ermöglichen würde, ihre oft jahrelang verdrängten Erfahrungen offen auszusprechen. In seinen ersten Untersuchungsergebnissen von über 150 derartigen Fällen beschreibt Moody eine Vielzahl von Erfahrungen, die die Betroffenen während des klinischen Todes selbst gemacht hatten, oder diese teilten ihm die Erlebnisse anderer Personen mit. Einige Sterbende erzählten von einem grellen Licht, Begegnungen mit anderen Wesen, verstorbenen Verwandten und Freunden. Bei anderen blieb Gottes Gericht stark in Erinnerung haften. Manche Personen traten aus ihrem Körper, blieben aber in der physischen Welt neben ihrem Körper, reisten in bekannte Ortschaften oder wurden in anderweitige Realitäten versetzt. Weist das die Tatsache nach, dass das jenseitige Leben existent und der Tod lediglich ein Übergang in eine andere Lebensart ist (vielleicht eine viel bessere als das irdische und biologische Leben)? Nicht nur R. Moody allein, sondern auch E. Kübler-Ross, K. Dukas, A. Ford und andere Wissenschaftler führten ähnliche Forschungen durch und sind Anhänger dieser Hypothese geworden. Sie sind zum Schluss gekommen, es gebe ein Leben nach dem Tod.
Einer der ersten Wissenschaftler, die das Phänomen „Nahtoderfahrung“ untersuchten, war der russische Reanimatologe Professor W. Negowskij. Er war immer skeptisch gegenüber den Behauptungen von anderen Wissenschaftlern, dass das „Jenseits“ existiert.

Der klinische Tod

Die Hirnprozesse bei sterbenden oder reanimierten Menschen sind gleich, unabhängig  ihrer Herkunft oder Staatsangehörigkeit. Das Niveau der Evolutionsreife des Hirns ist etwa überall gleich hoch. Die Gehirnstruktur eines Menschen ist einheitlich aufgebaut. Dies bedeutet, dass die Gesetzmässigkeiten seines Absterbens sowie der Belebung auch gleichartig sind.

Ausserdem erklärte W. Negowskij, er habe keine Erzählungen seiner Patienten von ihren Erlebnissen während des Terminalzustands (eines dem Eintritt des Todes unmittelbar vorausgehenden Zustandes) gehört. Die Visionen mögen während dieses Zustands auftreten, aber nur dann, solange der klinische Tod noch nicht eingetreten ist. Während des klinischen Todes kann die Umwelt nicht wahrgenommen werden, denn weder die Hirnrinde noch das Herz des Menschen funktionieren, so W. Negowskij. Auf dem Monitor des Kardiogrammgerätes zeigt sich eine gerade Linie. Es ist anzunehmen, dass während der Wiederbelebung des klinisch toten Menschen, wenn das sich reanimierende Gehirn die während seines Absterbens passierten Grundstadien in der umgekehrten Reihenfolge durchgeht, in einer bestimmten Phase die Erlebnisse entstehen, die während der Agonie auftraten (Agonie - ein länger andauernder Todeskampf, das allmähliche Erlöschen der Nerventätigkeit, welches dem Eintritt des Todes unmittelbar vorausgeht). Der Wissenschaftler erklärt die Erscheinung „des Tunnels mit am Ende blendend hellem Licht“ mit dem röhrenförmigen Gesichtsfeldrest, der als Folge des Sauerstoffmangels in der Rinde des Hinterhauptlappens des Gehirns entsteht.
Ein anderer russischer Reanimatologe, N. Gubin, nimmt an, dass die Tunnelvision die Folge einer toxischen Psychose sei. Dieser Meinung ist wie geschildert auch der amerikanische Arzt E. Roudin. Die Wissenschaftler haben dabei auch auf die Frage geantwortet, warum einige sterbende Menschen ihr ganzes Leben nochmals vor ihren Augen sehen. Sie glauben, dass im Prozess des Sterbens zuerst neuere und dann ältere Hirnteile absterben. Die Wiederbelebung des Hirns erfolgt in umgekehrter Reihenfolge: Zuerst die älteren, und dann die neueren Stellen der Gehirnrinde. Deshalb erscheinen im Gedächtnis des wiederbelebten Menschen zuallererst die am festesten eingeprägten Bilder.

Der klinische Tod

Trotzdem bleiben einige Erscheinungen der Nahtoderfahrung bis heute unaufgeklärt. Zurzeit gibt es zum Beispiel keine überzeugende Antwort auf die Frage, auf welche Weise die Blindgeborenen alles, was im Operationssaal während des klinischen Todes passierte, detailliert beschreiben konnten. Immerhin wurde diese Tatsache durch die Umfrage unter mehr als 200 blinden Frauen und Männer bewiesen, die Dr. Kenneth Ring aus den USA durchgeführt hatte.

Es ist zu betonen, dass nicht alle Wissenschaftler Visionen „des Lebens nach dem Tod“ mit physiologischen Prozessen, die während des Sterbens im Hirn ablaufen, erklären. Der Psychologe P. Watson glaubt zum Beispiel, dass der Mensch sich während des Sterbens an seine Geburt erinnert. Seiner Meinung nach lernt jemand den Tod kennen, wenn er seinen Geburtsweg überwindet. Nebenbei existiert eine Hypothese, laut derer diese Visionen nicht vom physischen Körper des Menschen, sondern auf den Veränderungen seiner biologisch-energetischen Ausstrahlung (Aura) auf dem Atom- und Molekularniveau beruhen. Mit dem Tod des Menschen stirbt auch seine Aura. Genau sie strahlt die Lichtpartikel aus, die das menschliche Bewusstsein für seltsame Bilder hält.
Die Erforschung ungewöhnlicher Zustände von Menschen während der Nahtoderfahrung wird fortgesetzt. Viele Wissenschaftler neigen zur Annahme, dass das Bewusstsein des Menschen nach seinem biologisch-physischen Tod erhalten bleibt. Der Forschungsleiter Dr. Sam Parnia vom Southampton General Hospital meint: „Zweifellos ist die Tatsache, dass einige Menschen während des Hirntodes zu klarer Denktätigkeit und Erinnerung fähig sind.“ Dr. Parnia und seine Kollegen glauben, dass der Sinn bzw. die Seele denken und überlegen kann, auch wenn das Herz des Patienten stoppt, er nicht mehr atmet und sein Hirn nicht mehr funktioniert.

N. Bechterewa

Die russische Hirnphysiologin N. Bechterewa hat keinen Zweifel daran, dass eine wie auch immer geartete Form des Weiterlebens existiert. Niemand kann die Theorie über ein Leben nach dem Tod weder beweisen noch widerlegen. Denn der klinische Tod ist noch kein biologischer Tod, und nicht alle Menschen, die eine Nahtoderfahrung hatten, können sich daran erinnern.

 

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Leben nach dem Tod ...oder was sehe ich, wenn ich sterbe