Apropos, mit dem St. Petersburger Krematorium ist noch ein Erlebnis verbunden, das der Arzt Nikolaj S. erzählt.
„Nach meinem Dienst in der Klinik musste ich noch den ganzen Tag arbeiten und war äusserst müde. Wegen der Müdigkeit verwechselte ich die Buslinien und stieg in einen falschen Bus ein. Statt nach Hause brachte mich der Bus zum Krematorium. Ich stieg aus und wartete auf den nächsten Bus, um zurückzukehren. Zufällig warf ich einen Blick auf den Schornstein des Krematoriums: Die erste „Rauchportion“ strömte aus. Folglich wurde ein Leichnam verbrannt. Ich wartete auf die zweite „Portion“. Ob ich fantasierte? Durch den Russ war ein menschliches Schattenbild zu erkennen. Ich begann mir das genauer anzusehen. Dann entströmte dem Schornstein pausenlos Rauch. In seinem Wirbel erschienen menschliche Gestalten wie Bleisoldaten nacheinander – ich zählte sechs. Plötzlich erschien aus dem Nichts neben dem Schornstein ein dunkler Klumpen. Ich meinte zuerst, der Rauch habe sich so seltsam geteilt, dann aber verstand ich, dass ich mich irrte. Sobald aus dem Schornstein wieder eine Rauchsilhouette erschien, fiel der dunkle Klumpen wie ein Geier über sie her und saugte sie ein. War es ein höllisches Wesen, das nach den menschlichen Seelen jagte?

SEHNSUCHT NACH EWIGKEIT

Ewiges Leben wäre wahr, wenn die Zellen ihre Teilungsfähigkeiten nicht verlieren.

Es wurde mir unheimlich zumute und ich machte mich aus dem Staub, ohne auf den Bus zu warten. So sehr begehrte ich, diesen unheilverkündenden Ort zu verlassen.“

Rettender Strohhalm oder gesicherte Hoffnung?

Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele oder gar die totale Überzeugung von deren Existenz  hat sich in verschiedenen Religionen auf unterschiedliche Weise niedergeschlagen. Ob Reinkarnation oder unsterbliche Seele – jede Religion kann aus ihrer Sicht Bestätigungen und Beweise für die Richtigkeit ihres Glaubens vorbringen.
So wird zum Beispiel auf der Grundlage des Glaubens an die Reinkarnation jeweils der neue Dalai Lama gewählt. Nach der buddhistischen Sage nimmt der Dalai Lama nach seinem physischen Tod den Körper eines Neugeborenen an.

SEHNSUCHT NACH EWIGKEIT

Demnach sind alle schon früher lebenden Dalai Lamas eine und dieselbe Persönlichkeit, die ihren veralteten Körper mit einem jüngeren gewechselt und das Einheitsgedächtnis des hochentwickelten Wesens behalten haben. Es gibt eine Reihe besonderer Merkmale, nach denen die Mönche die neue Reinkarnation des Dalai Lama suchen, dessen Geburt normalerweise in Tibet, der Mongolei oder China erfolgt.
Dalai Lama der 13. hinterliess die Vorhersage, die ganz genau den Ort seiner nächsten Geburt beschreibt, der dann auch prompt durch traditionelle Methoden bestätigt wurde.
1937 besuchte eine spezielle Gruppe der Lamas (buddhistische Mönche), die den neuen wiedergeborenen Dalai Lama suchte, das Dorf Takzer. In seinem Buch „Mein Land und mein Volk“ erinnert sich Dalai Lama der 14.: „Die kleinen Kinder, die wiedergeboren werden, besinnen sich auf die Sachen und Leute aus ihrem vorigen Leben. Einige können die religiösen Texte lesen, obwohl niemand sie dies gelehrt hat”. Nach entsprechenden Untersuchungen wurde der 4-jährige Lhamo Döndrup die Reinkarnation von Dalai Lama dem 13. Der östliche Teil Tibets, wo sich das Dorf Takzer befand, stand unter Kontrolle Chinas. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen der Regierung Tibets und der örtlichen Verwaltung verliess seine Heiligkeit im Oktober 1939 sein Elternhaus und begab sich nach Lhasa. Am 22. Februar 1940 fand die Zeremonie seiner Inthronisierung statt, und der 5-jährige Junge wurde zum Oberhaupt aller tibetischen Buddhisten ausgerufen.

SEHNSUCHT NACH EWIGKEIT

„Wir wissen nichts über den Tod. Wir wissen nicht, was mit uns im Augenblick des Sterbens vor sich geht, aber im Grossen und Ganzen wissen wir, was das ewige Leben bedeutet. Also, das erste, was wir uns selbst und die anderen lehren sollen – uns nicht auf den Tod, sondern auf das Leben vorbereiten. Wenn man über den Tod spricht, so ist es mit einer breiten Tür zu vergleichen, die breit aufgeht und uns ermöglicht, ins ewige Leben zu treten“, sagte der  russisch-orthodoxe Metropolit (Oberbischof) A. Surozhskij. Er fährt fort: „Ich war Chirurgiegehilfe im Frontspital. Dort lag ein junger Soldat, etwa 25 Jahre alt, im Sterben. Ich ging zu ihm, setzte mich neben ihn und sagte: „Wie geht es dir?“. „Heute in der Nacht sterbe ich“, war seine Antwort.
- „Hast du Angst?“
- „Keine Angst, aber es tut mir weh, Abschied von meiner jungen Frau, von meinem Dorf, von den Eltern zu nehmen. Am Schrecklichsten ist es, allein zu sterben.“
- „Nein, das passiert nicht! Ich werde daneben sitzen, und du erzählst alles, was du willst: über dein Dorf, deine Familie, Kindheit, Frau, über alles, was du in deinem Gedächtnis behalten hast, was du liebst. Ich werde deine Hand halten. Allmählich wirst du müde, dann werde ich mehr sprechen. Dann sehe ich, dass du zu schlummern beginnst und werde stiller sprechen. Du machst die Augen zu, und ich höre auf zu sprechen, aber ich werde dir die Hand halten. Du wirst mir von Zeit zu Zeit die Hand drücken, um dich zu vergewissern, dass ich da bin. Deine Hand wird dann meine Hand allmählich nicht mehr drücken, ich drücke dann deine Hand. In einem bestimmten Augenblick wirst du nicht mehr mit uns sein, aber du gehst nicht allein weg. Den ganzen Weg wandern wir gemeinsam.
Stunde für Stunde haben wir diese Nacht verbracht. Ich drückte seine Hand, damit er weiss, dass ich da bin. Dann begann seine Hand kälter zu werden, und er verliess uns. Das war ein sehr wichtiger Augenblick. Es ist sehr wichtig, dass der Mensch nicht alleine bleibt, wenn er in die Ewigkeit geht.“

SEHNSUCHT NACH EWIGKEIT

Es scheint, dass sich der Mensch mit dem Tod nie abfindet, der Tod ist für ihn etwas Unnatürliches. Und die Gelehrten sind sich auch sicher: Unser Organismus ist zu wunderbar geschaffen, um nur 70-80 Jahre lang zu leben.

 

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Leben nach dem Tod ...oder was sehe ich, wenn ich sterbe